Digitales wird konkret

Ich arbeite in der 11. Initiative des CoLab Internet und Gesellschaft mit. Beteiligt ist auch der Verein Unternehmen für die Region (UfdR). Themenschwerpunkt ist: die #digitaleRegion.

Das Foto zeigt eine Brunnenfigur in Gütersloh bereichert mit einem Handy.

Digitales Foto: Jürgen Zimmermann

Im Zentrum stehen die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation für den außerstädtischen Raum. Die Initiative wird getragen durch Experten unterschiedlichster Provenienz und hat ein tragfähiges Multi-Stakeholder-Netzwerk bestehend aus fach- und sektorübergreifenden Ansätzen und Perspektiven hervorgebracht. 

Digitales konkret greifbar machen  

Wenn Regionen digital werden – was bedeutet das denn überhaupt? Diese Frage beschäftigt auch uns. Theoretische Ansätze gibt es schon viele. Auch eine gesamtgesellschaftliche Diskussion dazu findet statt – auch, wenn die Risiken der Digitalisierung dabei immer gerne die Führung übernehmen. Die Frage ist allerdings längst nicht mehr, ob wir uns digitaler aufstellen müssen, sondern wie dies gelingen kann. Da setzt die Initiatve an und macht Digitales konkret. 

Wir suchen also den Reality-Check. Das Netzwerk hat zwei Modellkommunen ins Boot geholt, die sich regional vernetzen und sich so gemeinsam auf den Weg zu einer digitalen Region entwickeln wollen: Wennigsen/Deister und Augsburg. Im Zentrum stehen praktische und regionalspezifische Handlungsansätze für den eigenen digitalen Transformationsprozess. 

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Community befragen 

Theorie ist eine Sache, Praxis eine andere. Unsere Gedanken zu diesem Prozess wollen wir durch die Community erden und reflektieren. Aus diesem Grund sind in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen verschiedene Fragebögen und Umfragen entstanden. Diese werden gerade in ganz Deutschland geteilt und beantwortet. Im Netz.

Hiermit verbunden ist die herzliche Einladung, an den Umfragen teilzunehmen, die direkt in unsere Arbeit einfließen:

Wirtschaft & Arbeit 

In der Arbeitsgruppe #Wirtschaft&Arbeit wurden in einer ersten Umfragerunde die fünf wichtigsten Fragen für den ländlichen Raum bezogen auf dieses Themenfeld ermittelt.  In einem aktuellen zweiten Schritt fragt die Gruppe nach guten Beispielen, die auf Regionen übertragbar wären oder konkrete Impulse sein können.

Mitmachen und die sechs Fragen dazu beantworten kann man hier .

Bildung & Lernen  

Diese AG fragt zunächst grundsätzlicher: Die Städte wachsen, die ländlichen Regionen entwickeln sich teilweise bedenklich. Wie kann Digitalisierung helfen, die Daseinsvorsorge vor Ort qualitativ zu unterstützen? Hier sind Fragen nach möglichen digitalen Treibern ebenso gestellt wie nach konkreteren Ansätzen und Beispielen, was Schule und Bildung angeht.

Zur Umfrage geht es hierlang. 

Facing Fears 

Auch Ängste gegenüber der Digitalisierung werden im Netzwerk mit Facing Fears adressiert, um diese zu kennen, ihnen aber auch Chancen gegenüberstellen zu können, die eine Mitnahme der gesamten Gesellschaft ermöglichen.

48 Ängste gegenüber der Digitalisierung finden sich in der Umfrage – gekoppelt an die Frage: Teilen Sie die – und wenn ja, in welchem Grad. Auch Ihre Haltung gegenüber Positionen wie neue Formen der Arbeit oder Smartphonenutzung stehen im Fragenkatalog. Sie können sich dazu positionieren.

Zur Umfrage geht es hier. 

Lackmustest für die Praxis 

Die jeweiligen Auswertungen werden veröffentlicht. Hier ebenso wie auf dem Blog des Colab und auch im WegweiserKommune-Blog. Die Ergebnisse bilden den Lackmustest, um den Bogen von der Theorie in die Praxis zu schlagen. Ich bin sehr gespannt, wie das gelingen kann.

Sehr gerne also mitmachen!

#DigitaleRegion – was ist zu tun?

Am Ende gibt es einen Fragebogen zum Thema Wirtschaft und Arbeit – bitte mitmachen: 

Die 11. Initiative des CoLab Internet und Gesellschaft und der Verein „Unternehmen für die Region“ haben die #digitaleRegion in den Fokus genommen. „Aus dem Land – für das Land“.

Von April bis Oktober 2016 kommen ExpertInnen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie Regionalvertreter zusammen: In einer klassischen Think-Tank-Art auf Grundlage ihrer Expertise  diskutieren und erörtern sie die aktuellen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für den außerstädtischen Raum interdisziplinär. Ich arbeite für die Bertelsmann Stiftung in dem Gremium mit.

Auf dem Weg #digitaleRegion

Auf dem Weg #digitaleRegion

Ein Aspekt aus der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit ist dabei: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die klein- und mittelständischen Unternehmen als integraler Bestandteil einer vitalen Kommune. „Darüber hinaus geht es um die gesamtgesellschaftlichen Chancen einer Revitalisierung von Regionen durch die Etablierung regionaler Verbünde, die sich im Sinne von Verantwortungspartnerschaften für den digitalen Wandel in ihrer Region einsetzen.“ So steht es auf der Website des CoLab.

Diese Impulse sind nicht unerheblich auch für die Region OWL (Ostwestfalen-Lippe). Wir basteln als Arbeitsgruppe des Colab gerade an einer Kurzstudie, die wir aufsetzen wollen.

Dazu haben wir in einer ersten Phase einen Fragebogen entwickelt, den wir gerade durch die Social Media Kanäle schicken und um deren Beantwortung wir diejenigen bitten, die sich mit Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung beschäftigen.

Hier ist der Fragebogen – wer Zeit und Interesse hat, ist ein geladen, zu antworten und sich zu beteiligen.

Die Ergebnisse fließen dann als Basis in die Studie ein, aus der wir gerne auch konkrete Visionen entwickeln wollen, wie sich eine #digitaleRegion entwickeln lässt. Am Ende wird es zwei konkrete Testphasen geben: in Wennigsen (Deister) und eine in der Region Augsburg. Unser Ziel: von der Theorie in die konkrete Anwendung kommen.

Freue mich über Mitmachen beim Fragebogen. Über den Fortgang des Projektes blogge ich weiter.

Digitaler Lifestyle in einem ganzen Land

Estonia, also Estland, traut sich was. Das nördliche EU-Land lebt einen digitalen Lifestyle und erfindet sich und seine digitalen Möglichkeiten ständig neu. In Deutschland ist das anders. Deutschland belegt Platz 9 im EU Digitalbericht 2016. Das ist gutes Mittelfeld.

Das Foto zeigt die Flagge von Estland vor blauem Himmel.

Estonia – digitales Land

Ich bin mit dem Team von @SmartCountryDE der Bertelsmann Stiftung auf einer Studienreise in Estland. Estland gilt als „das“ Digitalland Europas. Wir suchen nach guten Beispielen, wie digitale Strategien ein Land in der Fläche zu einem smarten Ort macht. Auf dem Zettel der Glanzleistungen in Estland ganz oben stehen vorbildliche Anwendungen für das E-Government bis hin zu flächendeckender Versorgung mit WIFI sowie der schnellste Weg, eine eigene Firma zu gründen. Das dauert nach der Statistik in Estland nur ganze 18 Minuten. Estland bietet zudem die digitale E-Residency, eine digitale Existenz für Bürger weltweit. Alles Gründe genug, sich einmal vor Ort anzuschauen, was genau das Erfolgsrezept von Estland ist – und was davon nach Deutschland übertragbar ist. Am Ende geht es darum, Teilhabe zu ermöglichen und zu erhalten.

Digital-Tourismus 

Digitalisierung scheint ein Exportschlager zu sein. Gepaart mit dem Fakt, dass im kommenden Jahr in Deutschland die Bundestagswahlen stattfindet und zudem eine richtungsweisende Landtagswahl in NRW ansteht, erklärt sich, warum sich gerade deutsche politische Delegationen die Klinke in die Hand geben, wenn die einen den Showroom von e-Estonia betreten und die anderen hinausgehen. Experten der Digitalausschusses waren schon hier, kürzlich war Armin Laschet (CDU NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU) vor Ort, am Ende dieser Woche reist die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an, ihre Staatskanzlei postet derweil Flugbilder.

Gerade gestern hat sich die Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen einer Klausurtagung des Kabinetts mit dem estnischen Ministerpräsident Taavi Rõivas getroffen. Inhalt: Fortschritte zur digitalen Agenda in Deutschland.

Mit dabei war auch Siim Sikkut, einer der digitalen Köpfe Estlands und digitaler Berater des Präsidenten. Einer, der schon bewiesen hat, dass er digital denken und handeln kann. Er ist auch ein Experte für e-Government. Ohne schon in diesem Blogpost auf die vielen Vorzüge Estlands einzugehen, mal an dieser Stelle ein kurzes Fazit: Sikkuts Ziel wäre, Government unsichtbar zu machen. Alle notwendigen Angelegenheiten sollen für die Menschen im Land so clever und simpel geregelt sein, dass sie leicht zugänglich sind, von jedem genutzt werden können, dies von der Wiege bis zur Bahre. Nur rund 4 Prozent der Menschen in Estland nutzen diese Services des E-Government nicht – sie sind analog. Wenn also rund 96 Prozent digital sind was staatliche Dienstleistungen (und sonstige Services angeht), ist das eine nationale Erfolgsstory, die nur von der Nachricht getoppt wird, dass 100 Prozent der Bevölkerung über einen Kühlschrank verfügen. Selbst der Taxifahrer erklärt mir die „Normalität“ des Digitalen in Estland als eben eine solche Natürlichkeit und verweis auf die gleiche Zahl der analogen Mitbürger, wie Sikkut sie nennt, um dann kein Bargeld anzunehmen, sondern nur meine Kreditkarte akzeptiert.

So dreht sich auch jede der Erfolgsgeschichten um eben eine einzige Karte, auf der alles gespeichert ist. Hier schon mal ein Bild von dem PlastikChipWunderDing, Details wie gesagt im nächsten Blogpost.

Das Foto zeigt eine Art EC_Karte, auf der alle Daten gespeichert sind.

eine Karte für alle Services

Wenn nun alle das Ziel verfolgen, von Estland zu lernen (es reisen auch andere Nationen hierher), muss man sich fragen, warum die Esten so erfolgreich sind in dem, was sie tun – und Deutschland seit langem schon den Anschluss verpasst hat (Glasfaser fast unbekannt) oder bestenfalls hinterherhinkt, Interaktion zwischen Staat und Bevölkerung ist weitestgehend analog und nur mit hohem bürokratischen Aufwand leistbar. Gerade wenn von E-Government die Rede ist, türmen sich die Fragen nach dem Grund des Scheiterns auf wie die Wolken über der Küste von Estland.

Hier vor Ort wird klar: Digitalisierung und die sich daraus ableitenden Möglichkeiten digitale Services zu entwickeln und dabei den Menschen und seine Notwendigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen, ist keinesfalls nur eine Frage der Technik.

Digitale Transformation und digitale Services sind eine Frage der Haltung und der Veränderung der Prozesse und des Zugangs. Eine Form der Hierarchieverschiebung, eine Frage der Transparenz, eine Frage der Ausrichtung auf die Bedarfe der Menschen. Und am Ende schlicht auch eine, wie künftig Geld verdient wird, wenn die Wissens- und Informationsgesellschaft sich über Nacht Bahn bricht. Moore´s Law spricht von exponentieller Beschleunigung. Estland hat die neuen Formen gemeinsam entwickelt, gemeinsam ermöglicht. Estland hat sich zum Ziel gesetzt, auf lange Sicht 1 Millionen E-Residents nach Estland zu holen – kurz blitzt auch die Zahl mit einer weiteren Null daran auf. Über 100.000 sind es schon. Angesprochen werden die neuen Kreativen, die neuen Wertschöpfer, denen es egal ist, ob sie nun in Timmendorfer Strand sitzen oder in HongKong wirken, sie aber einen Ort suchen, an dem die „Firma“ residiert und das eben virtuell möglich ist. Estland schafft das. Estland bindet damit langfristig den Rohstoff an sich, der bald (und schon jetzt) gebraucht wird, nämlich Kreativität und Flexibilität. Anderen Ländern gelingt das nicht.

Selbstverständlich muss man schauen, dass Estland ein Land mit rund 1,2 Millionen Einwohnern ist, also überschaubar. Und erst sei 1991 in der Unabhängigkeit lebt. Beim Neustart die Restbestände einer russischen Mangelwirtschaft vorfand aber junge quirlige Leute hatte. Dazu jedoch einen mächtigen Nachbarn Russland hat, der immer wieder die Keule schwingt und bedrohlich nahe kommt, symbolisch und faktisch. Cyberattacken nicht ausgenommen. Die Besatzungszeit ist in Estland nicht vergessen. Sie ist real immer vorhanden, die Gefahr, wieder annektiert zu werden, ist präsent. Die Esten müssen intelligent sein, um zu überleben und ihre Freiheit zu bewahren, das schafft Möglichkeiten.

Deutschland hat keinen Feind an seinen Grenzen. Wohl aber muss sich Deutschland um seine Prosperität sorgen, um den Erhalt oder gar Ausbau des Lebensqualität, der längst schon nicht mehr alle erreicht. Die Ausgangslagen der Länder sind unterschiedlich, die Zukunft aber ähnlich: wie die Chancen der Digitalisierung nutzen, zum Wohle der Menschen? Liegt Deutschland jetzt schon auf Platz 9, ist der Erhalt kaum möglich, angesichts der Tatsache, dass eine tragfähige digitale Infrastruktur nicht über Nacht wächst und mit Kupferkabel längst das falsche Medium in den Einsatz gebracht wird.

Wenn die Delegationen hier Antworten darauf finden, hoffe ich, dass sie diese nicht behandeln wie ein Souvenir, welches ausgepackt aus dem Koffer lediglich im Regal verstaubt. In Vorwahlzeiten könnte Estland auch ein Ausflug und damit Alibi sein für vorgetäuschte Beweglichkeit im Mindset. Die Vorteile Estlands könnten zuhause auch schnell vom Positiven ins Negative gedreht werden, um in Deutschland im analogen Modus zu verbleiben. Nach dem Motto: Ja, aber wir hier sind ganz anders….

Digitales aus Estland ist jedenfalls ein Exportschlager: wie geht digital und wie geht es gemeinsam mit den Menschen, nicht von oben herab und auch nicht ohne die Bedarfe zu kennen. Wer diese neuen digitalen Lebensformen nicht versteht oder nicht annehmen will, darf sich nicht wundern, wenn die Zivilgesellschaft im eigenen Land nicht wartet, sondern schon mal in anderen Feldern der privaten Lebensorganisation digital vorausgeht. Damit aber zeigt sich der Staat langfristig als unfähig zu Wandlung und Meisterung seiner Kernaufgaben. Mit einer Politik 1.0 sind politische Entscheidungen hinfällig und undemokratische Schreihälse besetzen Themen und füllen sie mit nationalistischen Inhalten. Selbst digital wird so auf national gestutzt.

Keine Frage, in den digitalen Services des Staates als ein fester Bestandteil der Politik 2.0 sehe ich eine Chance. Eine Chance für Menschen, Demokratie und Lebensqualität. Ich nehme aus Estland mit den Beweis, dass es digitale Treiber braucht und dass Veränderung möglich ist.

Werkstattbericht aus dem CoLab #digitaleRegion

Die 11. Initiatve des CoLab Internet&Gesellschaft zusammen mit dem Verein “Unternehmen für die Region” (UfdR) beschäftigt sich in den kommenden Monaten mit dem Schwerpunkt#digitaleRegion. Über den Start hatte ich schon gebloggt. Ich arbeite hier als Expertin mit.

Zwei Testregionen

Im zweiten Workshop gestern im FraunhoferForum in Berlin kristallisierten sich nun differenzierte Herangehensweisen heraus: Wir werden Grundlagenarbeit in bekannter interdiszipliärer Besetzung betreiben. Die Schwerpunkte sind Wirtschaft&Arbeit, Bildung, Mobilität und Logistik sowie Staat und Verwaltung. Viel herausfordernder aber wird der Realitycheck vor Ort sein. Geplant sind zwei konkrete Workshops in Regionen, die sich teilweise schon sehr erfolgreich auf den Weg gemacht haben, wie Augsburg und Umgebung sowie in einer “Newcomer”-Region mit der Gemeinde Wennigsen (Deister), wo sich ein Netzwerk abzeichnet, welches die digitale Transformation für sich entdeckt. In der Experten-Diskussion fanden gerade diese beidenbipolaren Ansätze großen Zuspruch: Nord-Süd, Starter und Erfahrung, um den Sprung von der Theorie in die Praxis zu bewerkstelligen.

Zum Aufbruch in Wennigsen habe ich Christian Mainka um ein kurzes Statement gebeten, er ist Projektmanager und Wirtschaftsförderer in Wennigsen. Zudem gibt Tina Weber (UdfR) einen kurzen Einblick, wie sehr das Thema “Digitalisierung” auch die Netzwerke in den Regionen bewegt und treibt:

Einen kurzen Zwischenstand vermitteln die Macher der 11. Initiative des CoLab Gerald Swarat und Resa Mohabbat Kar:

AG Wirtschaft und Arbeit 

Ich selbst arbeite in der AG “Arbeit, Wirtschaft und KMUs” mit. Zentrale Arbeitsstränge werden sein, die Lebensqualität für Familien auf dem Land zu verbessern, was besonders Kinder und Schulen berühren wird aber auch das Einsparen von Zeit durch Wegfall der Pendlerzeiten. Zweitens werden wir in den Blick nehmen, welche Rahmenbedingungen das neue Arbeiten eigentlich bräuchte (Arbeit4.0 ist das Schlagwort), berücksichtigt man die Bedarfe der Menschen an erster Stelle – dies aus der Sicht derer, die gerne in der “Fläche” leben möchten und nicht in den Ballungsgebieten.

Das berührt selbstverständlich auch Fragen der Nachhaltigkeit, die Ausformung neuer Berufsbilder sicherlich auch, gekoppelt mit der Überlegung, welche Berufsgruppen man gerne vor Ort ansiedeln möchte. Müssen jetzt alle Designer aufs Land ziehen? Auch der Aspekt der Landwirtschaft als Arbeitsfeld soll betrachtet werden: gibt es etwa digitale Plattformen für neue Geschäftsmodelle des Vertriebs? Wichtig ist mir der Aspekt, dass nicht alles eine Frage der Technik sein muss. Digitale Strategien sollen in erster Linie den Menschen in den Fokus stellen. Nur auf diesem Weg kann man zur Verbesserung (oder für den Erhalt?) der Lebensqualität beitragen.

Um möglichst nah an den Bedarfen in der Region zu bleiben, werden die Fragen der Experten daher an die regionalen Netzwerke auf diese Gesichtspunkte hin geschärft und in einem Fragenkatalog abgefragt. Wir identifizieren hierbei Entscheider und Akteure aus den unterschiedlichen Zusammenhängen. Darauf aufbauen wird eine Schwerpunktstudie, am Ende steht bestenfalls eine Roadmap für neue Impulse der Wirtschaft und des Arbeitens.

Gedacht sind auch Zukunftsszenarien, die einen Schritt weiter über das Mach- und Wünschbare hinausweisen sollen. Klar ist dabei allen Experten: eine digitale Region wird man nicht einfach, weil man eine Idee “von der Stange” für sich kauft. Digitale Region wird man, wenn die Strategie direkt an den Bedarfen vor Ort ausgerichtet ist – und von vielen Aspekten und Beteiligten getragen wird. Alte Hüte – möchte man meinen, doch die Notwendigkeit der Neudefinition von regionalen und ländlichen Lebensräumen hin zu einem smarten Ansatz setzt Kreativität frei, die dringend notwendig ist.

Open Data nutzen 

Zu all diesen Überlegungen sind konkrete Daten notwendig. Spezifische Daten und auch Handlungsempfehlungen aus der Demographie heraus gedacht, gepaart mit digitalen Herangehensweisen können eine gute Grundlage sein, um daraus Konzepte zu entwickeln. Mein Ansatz ist immer der, die Daten aus dem Wegweiser zu nutzen, die sich nach über 100 Kriterien differenzieren lassen, auch was Wirtschaft und Bevölkerung angeht. Und dann kommt man schnell auch zu meinem Lieblingsthema: Nutzen von Offenen Daten aus den Aktenschränken der Kommunen und Regionen, aus denen sehr passgenaue Anwendungen und Muster abzuleiten sind, die beim Nachdenken über digitale Prozesse mehr als hilfreich sind. Ich finde ja, sie sind essentiell.

Aber wir werden sehen, welche Bedarfe die beiden Testregionen Augsburg und Wennigsen anmelden. Es wird auf jeden Fall spannend, vor Ort zu schauen, wie man Luft unter die Flügel einer digitalen Region bekommt. So viel erstmal als kleiner Werkstattbericht aus dem CoLab. Bald mehr.

Der Blogbeitrag ist auch erschienen im Blog „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann Stiftung.

Daten beflügeln die Wirtschaft

Am letzen Wochenende hatte ich das Vergnügen, einen ersten Wirtschaftstalk zu moderieren. Dies dienstlich für die Bertelsmann Stiftung. Thema: Challenge „Wirtschaft und OpenData“. Ein sehr zukunftsträchtiges Thema.

Das Foto zeigt die Referenten und Anke Knopp auf dem Panel.

Challenge Wirtschaft und Open Data, Foto: Claus Arndt – Moers

Die Herausforderung besteht darin, das ökonomische Potenzial von Daten zu erkennen – und nutzbar zu machen. Ein langer und noch steiniger Weg, hier ausreichend Aufmerksamkeit zu vermitteln. Freie und offene Daten sind dabei bereits erkennbar ein Pfeiler der kommunalen Wirtschaftsförderung. Man muss jedoch wissen, wie Digital funktioniert und welche Denke dahinter steht, um überhaupt fördern zu können. Viele Kommunen dürften sich hier langsam auf den Weg machen.

Dazu hatten wir drei Referenten eingeladen, die dieses Herausforderung diskutiert haben: Dr. Andreas Hey von den Datenfreunden, Alexander Marten, Digital Outlaws und Startuper aus Düsseldorf sowie Prof. Dr. Ulrich Greveler, Hochschule Rhein-Waal.

Da ich moderiert habe, konnte ich naturgemäß kaum Notizen machen. Sie haben mir anschließend ein paar Statements auf Video gegeben: