Wasser wird knapp – hier und im Himalaya

Update vom 7. Juni 2017: Auch in Schweden ist der Wassermangel ein Thema. Die zuständigen Behörden haben das Motto ausgegeben, nur noch 30 Sekunden Duschen. Ein Beitrag schon von März 2017 dazu im SWR. 

Internationale Politik findet seine Entsprechung oft direkt vor unserer Haustür. Der Klimawandel ist so ein Thema. Längst klopft er direkt bei uns an die Tür. Ein Beispiel ist die Wasserknappheit in den Kreisen Herford und Minden in Ostwestfalen-Lippe. Trinkwasser ist knapp. Die verantwortlichen Verwaltungen warnen derzeit, Wasser möglichst sparsam zu verwenden, weil die Vorräte überschaubar vorhanden sind. Ursachen: trockener Winter und heiße Tage bereits im Mai. Wir sprechen nicht über Indien, Bangladesch oder Afrika. Wir sprechen über einen Landstrich mit mitteleuropäischem Klima in einer wirtschaftlich prosperierenden Region. Wasserknappheit findet bei uns statt.

Damit sind wir mit einem Thema konfrontiert, welches Verhaltensänderungen auch in unserem eigenen Lebensalltag notwendig macht. Der Umgang mit schwindenden Ressourcen ist uns neu. Es braucht Ideen und Technologien, wie mit dieser neuen Verantwortung umzugehen ist – und wie die Veränderungen intelligent steuerbar sind. Im wahrsten Sinne braucht es dazu mehr an künstlicher Intelligenz – Rechnerleistung, Daten, Datenauslese, Datenvisualisierung. Ein Beispiel könnte ein City-Dashboard sein:

Das Foto zeigt ein City-Cockpit auf der CeBIT 2017.

Daten intelligent nutzen

Ein solches Kontrollcockpit ist eine Webplattform, in die alle zur Verfügung stehenden Daten einfließen. In Echtzeit. Öffentlich einsehbar für alle. Quellen für solche Daten können sein:

  • Umweltdaten
  • Wetterdaten
  • Verbrauchsdaten der Stadtwerke
  • Energieverbrauchsdaten
  • behördlich erhobene Daten
  • zivilgesellschaftlich erhobene Daten

Aus diesen zusammengetragenen Daten entsteht ein Überblick, über den aktuellen Stand wie etwa über den Wasserverbrauch einer Stadt. Die Datenlieferung in Echtzeit lässt eine direkte Steuerung zu, die auf den aktuellen Bedarf reagieren kann: Jeder kann individuell reagieren, Entscheider haben eine Datenbasis als Entscheidungsgrundlage für das Gemeinwohl, die für jedermann nachvollziehbar ist. Bei Wasserknappheit könnte das bedeuten, dass etwa Schwimm-Pools nicht mehr mit Trinkwasser befüllt werden dürfen, oder Beete nicht mehr gewässert werden – oder wenn es ganz krass ausfällt, Duschen und Baden untersagt sind.

Das Foto zeigt eine Grafik, wofür wie viel Liter Wasser genutzt werden.

jeder Tropfen genutzt

In den frühen 80er Jahren habe ich in einem Wasserwerk gearbeitet. Schon damals war ablesbar, wie hoch der Wasserverbrauch in der Stadt insgesamt ist. Ein schönes Beispiel: Während eines Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft verbrauchen die Bewohner einer Stadt in der ersten und zweiten Halbzeit sehr wenig Wasser. In der Pause und direkt nach dem Spiel fließt um so mehr Wasser, weil dann erfahrungsgemäß die Nation auf die Toilette geht und die Wasserspülung benutzt. Das wissen die Wasserwerker – und sind darauf vorbereitet.

Neben Daten aus den Wasserwerken sind auch diese Daten von besonderem Interesse für die Steuerung – sie fristen aber leider bisher oftmals eher ein Dornröschen-Dasein: die GeodatenPortale der Kreise, in Verbindung mit Daten, die auf Ebene der Bundesländer erhoben werden und vernetzt sind. Sie sind wichtige Lieferanten von gebündelten Informationen und damit essentielle Entscheidungshilfen.

Das Foto zeigt die Landkarte von MInden mit den Pegelständen der Flüsse.

Daten nutzen

Es finden sich Umweltinformationen in Kartenform mit vertiefenden Informationen wie etwa Wasserqualität der Flüsse, Pegelstände, Niederschlagsdaten, Verortung von Grundwassermessstellen etc. Alle Informationen zusammen genommen ergeben ein Bild der aktuellen Situation der Wasserversorgung einer Region. Unerlässliche Daten, will man künftig unmittelbarer steuern und Verbrauchsstände intelligent anpassen. Man muss sie nur zusammentragen, kennen und auswerten. Eine Aufgabe, die sich über ein City-Dashboard hervorragend realisieren lässt.

Minden und Himalaya – vereint 

Ungeachtet dessen, bleibt die Aufgabe, das Schwinden von Wasservorräten grundsätzlich im Blick zu behalten. Der blaue Planet hat bereits heute große Probleme mit Wasser. Ein Umstand zeigt sich gerade im Himalaya, dem höchsten Gebirge der Welt. Hier schmelzen die 46.000 Gletscher schneller als gedacht, Wasser entweicht, Wasser wird knapp. Der Einsatz von neuer Technik macht es möglich, diese Vorgänge genauer zu untersuchen: Datenanalysen, Drohnen, die über die Gletscher fliegen und umfassendes Datenmaterial sammeln können, so dass Verläufe ganz anders visualisiert werden können und mehr Erkenntnisse liefern.

Wir lernen:

Klimaschutz, Solarenergie, Windräder, Heizung, Wasser, Verbrauch insgesamt – alles ist miteinander verbunden. Künftig sind Sensoren zu deren Verbrauchsmessung miteinander vernetzt und kommunizieren miteinander. Künstlicher Intelligenz kann dabei helfen, Infos so ermitteln und aufzubereiten, dass weniger intelligente Menschen ihre Fehler früher korrigieren können – oder sie bezogen auf das Weltklima gar nicht erst mehr begehen. Daten in Echtzeit von hier und heute helfen, unsere Zukunft zu verbessern. Zeit fürs Handeln.

Internet der Dinge – im Alltag schon da

Sie tauchen auf im Alltagsleben unserer Gesellschaft: die neuen Formen der Kommunikation. Da sprechen nicht nur Menschen mit Menschen. Jetzt kommunzieren auch die Dinge miteinander. Internet of Things ist längst keine Zukunftsmusik. Sie findet statt. Am Ende wird es ein Internet of Everything sein: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch etc. Die Welt kommuniziert.

Heute ist es der digitale Stuhl: Er steht im Konzertsaal, aneinandergereiht und weist seine Nummer aus, je nachdem, wie er gereiht ist. Alles digital. Vernetzt zählt er seine Position selbst. Vernetzt könnte er demnächst auch noch seine Sensoren dazu einsetzen, das Gewicht dessen zu bestimmen, der auf ihm Platz nimmt – um das Ergebnis gleich weiterzuleiten, es gibt immer jemanden, der mit diesem Datensatz etwas anfangen kann.

Das Foto zeigt einen Stuhl mit einer digitalen Nummerierung.

digitaler Stuhl – IOT im Alltag

Noch interessanter: die Preisschilder (hier in Norwegen) im Supermarkt sind elektronisch. Die Preis- und Informationsbeschriftung ist digital. Sensoren sind in der Lage, die Preise und Infos in Sekundenschnelle zu aktualisieren. Elektronische Regaletiketten (ESL Electronic Shelf Labels) machen es möglich – und erleichtern zudem die Inventur. Elektronische Regaletiketten kommen im Handel immer selbstverständlicher zum Einsatz, so, wie dies bereits in der Industrie verwendet wird: von gewöhnlichen Preisauszeichnungen bis zur Beschriftungen von Produktionsstrassen (Kanban) oder Lagerplätzen im Logistikbereich – alles drin. Firmen wie EDEKA, Media Saturn Holding, Netto sind bereits auf dem Weg, ihre Ladenlokale flächendeckend mit elektronischen Preisschildern auszuzeichnen. Das spart Personalkosten, das spart Druckkosten für Papieretiketten, das spart Zeit. Das ermöglicht blitzschnelle Marktanpassung. Etwa dann, wenn das Wetter gut ist und alle Welt grillen möchte: Der Preis für Grillware könnte dann augenblicklich erhöht werden. Auf Knopfdruck. Die Vorteile liegen auf der Hand, Einsparungen, Profit, Marktposition. Über die Nachteile wird weniger ausführlich gesprochen. Bisher.

Vernetzt können diese Preisschilder künftig nämlich noch mehr: etwa erkennen, welches Smartphone an ihnen vorbeigeht. Diese Info gibt Rückschlüsse auf den „Träger“, also den Kunden: Nutzt der teure Marken wie Apple, so wäre es durchaus möglich, dass sich Preise blitzschnell verändern können, nach oben nämlich, weil der vor der Ware stehende potenzielle Kunde selbst als vermögend klassifiziert wird.

digitaler Preis

digitaler Preis

Aber auch in den Städten tauchen immer mehr Sensoren auf. Smart City. Lichtmasten etwa sind in vielen Städten schon jetzt keine einfachen Lichtspender mehr. Sondern sie sind auch Sensoren – Produzenten und Aufsauger von Daten. Sie kommunizieren in Echtzeit.

Bristol als Smart City in GB spielt mit Sensoren in der Innenstadt und nimmt die Menschen so mit auf dem Weg: Durch Lichtspiele, die an zentraler Stelle in der Innenstadt angebracht wurden. Diese warfen Lichtmotive auf die Straße oder auf Wände. bunte virtuelle Vöglein etwa. Menschen blieben verwundert stehen und traten dann in die Interaktion mit diesen „Lichtwesen“, man versuchte sie zu fangen, zu berühren oder drauf zu treten. Wohlwissend, dass es nur Licht war. Und doch kam es zum positiven Nebeneffekt, dass sich die Bevölkerung bewusst wurde – da sind Sensoren im meiner Stadt. Die liefern Daten, sie produzieren Daten. Mit Daten wird künftig mein Umfeld gesteuert – und die Daten liefere zum größten Teil ich als Teil der Stadtbevölkerung. Wem aber gehören künftig Daten? Eine Frage, die sich gerade sehr deutliche in Barcelona stellt, eine SmartCity, die Daten künftig in Bürgerhand belassen will und nicht in der Hand der großen Tech-Firmen. Es verspricht eine spannende Diskussion zu werden. Dabei sprechen die Dinge ein Wörtchen mit.

Bristol spielt.

spielend die Bevölkerung mitnehmen

Wie sicher sind Chip-Karten?

Update 10. Februar 2016:

Heute schickte mir Matthias Bock einen Link, der dieses Thema hier in seiner Bedeutung noch viel weiter fasst. 

Einige NFC-Kreditkarten speichern eure Zahlungshistorie und mehr [Update]

Mehr dazu hier. 

 

Vor ein paar Wochen traf ich Matthias Bock auf dem OpenDataDay von Offene Kommunen NRW in Wuppertal. Er arbeitet in der Fraktion der Piraten im Landtag NRW. Wie das so ist zwischen den Sessions kommt man ins Gespräch. Unser Thema war die Sicherheit von Chip-Karten, insbesondere die von Kreditkarten und EC-Karten.

Das Foto zeigt ein Smartphone

nicht nur Smartphone sondern auch Geldbox

RFID-Technik 

Die Karten sind mittlerweile alle mit der RFID-Technik ausgerüstet, die das Identifizieren mittels elektromagnetischer Wellen beinhaltet. Das sind Sender-Empfänger-Systeme zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen. So findet es sich in Wikipedia.

Nahfeldkommunikation 

In diesem Zusammenhang spricht man auch von Nahfeldkommunikation (Near Field Communication – NFC), ein auf der RFID-Technik basierender internationaler Übertragungsstandard zum konktaklosen Austausch von Daten per Funktechnik über kurze Strecken von wenigen Zentimetern. Sie dient dem bargeldlosen Zahlen kleiner Beiträge. Zum Einsatz kommt sie beispielsweise bei den Sparkassen. Eigentlich nur für Beträge bis zu 20 Euro.

RealtitätsCheck – und schwupps sind Daten geklaut

Wir haben zusammen mit Matthias einfach mal experimentiert, wie schnell man solche Karten auslesen kann. Matthias demonstrierte sehr eindrucksvoll, wie man mit einer kostenlosen App die Karten auslesen kann. Das dauert nicht lange, man  muss nur nah genug dran stehen. In größeren Menschenmengen ist das schon mal kein Problem, auch nicht, wenn man etwa an einem Tisch zusammen sitzt. Blitzschnell ging das und wichtige Daten erscheinen auf dem Smartphone, die nicht für jedermann zugänglich sein sollten.

Zudem ist mittlerweile eine NFC-Lücke erkannt, die es ermöglicht, höhere Beträge von den Konten der Karteninhaber zu klauen. Die Sperren oder Limitierung auf Kleinbeträge lassen sich längst austricksen und die Minimalbeträge gelten nichts mehr. Dann geht es schnell ans Eingemachte und hohe Beträge fließen ungewollt in eine andere Tasche als die eigene.

„Wie Forscher der Newcastle Universität in Großbritannien berichten, steckt der Fehler in den Sicherheitsvorkehrungen, die dafür sorgen, dass das Bezahlen ohne Pin auf den Maximalbetrag beschränkt wird. Sowohl Visa und Mastercard , als auch die EC-Karte Girogo der Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sollen von dem Fehler betroffen sein.“ – findet sich auf der Internetseite von T-online.

Und wie ist das vor Ort?

Ich wollte gerne mal wissen, wie eine örtliche Sparkasse mit dieser Problematik umgeht, die sicher dem größten Teil der Kunden und Nutzer nicht in der Breite und mit der Konsequenz bekannt ist.

Ich habe der Sparkasse Gütersloh dazu über XING geschrieben: „(…) gerne möchte ich mich darüber informieren, wie Sie die EC-Karten mit der NFC-Technik schützen? Wie sehen Sie die Zukunft der Verschlüsselung der Daten? Wie wird die Sparkasse Gütersloh das handhaben? Zudem interessiert mich, warum die Sparkasse keine ausspähsicheren Hüllen bei der Zusendung der Karten gleich kostenfrei mitliefert. Diese Hüllen kosten in Online-Shops ca. 6 Euro.“

Sachliche Antwort 

Hier die Antwort der Sparkasse Gütersloh, die mich kurz vor Weihnachten erreichte.

Die von uns eingesetzten SparkassenCards sind standardmäßig mit der NFC-Technologie ausgestattet. Diese Technik ermöglicht in Geschäften, die mit entsprechenden Terminals ausgestattet sind, das schnelle, kontaktlose Bezahlen bis zu einem Maximalbetrag von EUR 20,00.

Der Austausch der Daten zwischen dem Chip und dem Bezahlterminal erfolgt nach einem bewährten und sicheren Verfahren, dass speziell für die Zahlungssysteme der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) entwickelt wurde. Eine Verbindung zum Konto des Karteninhabers  wird lediglich beim Laden/Entladen einer elektronischen Geldbörse hergestellt, wobei der Lade-/Entladebetrag auf dem Kontoauszug dokumentiert wird.

Eine versehentliche Abbuchung ist nicht möglich, der erforderliche geringe Abstand zwischen Karte und Terminal erschwert unbemerktes Bezahlen deutlich. Zudem kann ein Bezahlvorgang nur von einem Terminal  mit einem auf den jeweiligen Händler registrierten Sicherheitsmodul (Händlerkarte) ausgelöst werden. Über die für gängige Smartphones erhältliche S-Reader-App hat der Karteninhaber jederzeit einen Überblick über seine Lade- und Entladevorgänge.

Ausspähsichere Kartenhüllen sind derzeit bei uns in der Bestellung, auf Nachfrage können Kunden eine solche Hülle kostenfrei bekommen. Zusätzlich besteht zukünftig die Möglichkeit, die NFC-Funktion auf dem Chip der Karte komplett abzuschalten. Sollte ein Kunde komplett auf die NFC-Funktion verzichten möchten, kann er sich dann einfach bei seinem Berater melden, der diese Funktion für ihn deaktiviert.“

Aufklärung aber keine Besserung

Nun hat mich die Sparkasse zwar aufgeklärt, aber offensichtlich ist das Restrisiko auch dort bekannt. Nur nicht offen kommuniziert. Warum auch sollte man ein Geschäftsmodell selbst hinterfragen, wenn es die Kunden selbst offensichtlich nicht tun? Wird man sich in den Entscheideretagen fragen.

In den nächsten Tagen werde ich mal vor Ort in einem weiteren Praxistest nachfragen, ob ich solch eine Schutzhülle nun direkt bekommen kann – und wie sich die Menschen am „Schalter“ (sic!) verhalten, wenn ich die NFC-Funktion deaktivieren möchte. Bin gespannt.

Und noch eine Erkenntnis: Auch für solch einen Markt der Gefährdung oder besser der Gefahrenabwehr gibt es übrigens Produkte, die „helfen“. So kann man seine Brieftasche gleich komplett ablesesicher machen – und auch den Personalausweis gegen Auslesen schützen, denn der ist ebenfalls mit dieser Technik versehen. Oder man kann seine Bank nach einer ablesesicheren Schutzhülle fragen (siehe oben) – oder diese Hüllen sogar bei einer vertrauensvollen Quellen etwa bei den Bielefelder Datenschützern Digitalcourage im Shop bestellen.

Der Markt für Sicherheitsprodukte ist offensichtlich gut aufgestellt. Sind wir Normalos das auch? Oder lohnt es sich, öfter mal nachzufragen und sich aktiv selbst zu schützen?

Rund um die Uhr immer mehr im Blick: Die Überwachung

Jeder Tag ist ein Tag im Leben der Überwachung. Während allerdings immer nur auf die großen Big Data Unternehmen geschaut und eingeprügelt wird, ist unser kommunales Umfeld mindestens genau so in der Verantwortung. Es ist zur täglichen Gewohnheit geworden, dass uns Videokameras auch im öffentlichen Raum auf Schritt und Tritt überwachen. Unsere täglichen Wege können nicht nur mit unserem Bewegungsprofil über Handy verfolgt werden – sondern wir erscheinen sogar real im Bild:

Das Foto zeigt eine Überwachungskamera sowie eine Uhr in einem Bahnhof.

Rund um die Uhr im Blick.

In Wikipedia findet sich zum Stichwort „Videoüberwachung“:

„Videoüberwachung ist die Beobachtung von Orten durch optisch-elektronische Einrichtungen, optischen Raumüberwachungsanlagen (Videoüberwachungsanlage). Häufig steht diese Form der Überwachung in Verbindung mit der Aufzeichnung und Analyse der gewonnenen audiovisuellen Daten. Die Daten werden häufig digital gespeichert und die Bilder können durch Software analysiert werden. Zum Beispiel können Personen mit der Gesichtserkennung automatisch identifiziert werden oder von fahrenden Fahrzeugen automatisch die Nummernschilder erkannt werden.“

Ein kurzer Selbstversuch

Wenn ich heute aus dem Haus gehe, werde ich fast von meiner Haustür an bis zu meinem Arbeitsplatz im Grunde nahtlos überwacht. Nehme ich morgens den Bus zur Arbeit, dann hat mich die erste Kamera von dem Moment an im Blick, an dem ich meinen Fuß in den Bus setze. Im Bus ist zwar vermerkt, dass hier eine Kamera hängt. Ich weiß aber rein gar nichts über die Konditionen, die damit verbunden sind: wer sieht das, wie lange wird das gespeichert, was passiert mit den Aufnahmen – und wo hat das kommunale Stadtwerk darüber öffentlich aufgeklärt außer mit einem simplen Hinweisschild?

Mein Recht auf Datensouveränität oder gar das Vergessenwerden ist da ziemlich dünn. Und: Was sagt eigentlich die Kommune dazu, der die Busbetriebe angeschlossen sind? Klärt die auf? In der Regel nicht.

Das Foto zeigt ein Hinweisschild auf Videoüberwachung im Bus.

immer dabei: der überwachende ÖPNV

Steige ich am örtlichen Verkehrsknotenpunkt um, werde ich auch dort erfasst. Das gesamte Areal des Zentralen Omnibusbahnhofs wird durch mehrere Kameras im öffentlichen Raum überwacht. Die Idee dazu ist nachvollziehbar – ein solcher Ort mit vielen Menschen und einer zentralen Aufgabe, als Knotenpunkt Mobilität zu sichern, ist potenziell immer ein Ort, an dem etwas „Unbestimmtes“ passieren kann. Hier bündelt sich nicht nur Materie, sondern Menschen. Beides ist extrem verwundbar. Die Angst im Nacken ist schnell erklärt – und Überwachung gerechtfertigt. Keiner will ein Verschulden auf sich laden, wenn denn doch mal etwas eintritt, das Menschenleben gefährdet und man die Täter aufgrund fehlender Hinweise nicht fassen kann. Verhindern lässt sich aber auch durch Videoüberwachung erstmal nichts. Paris etwa ist nicht verhindert worden.

Aber auch an diesen zentralen Stellen findet sich kein Hinweis auf diese Überwachung. Die Überwachung strahlt übrigens auch auf Plätze aus, die mit Mobilität und einer Menschenkonzentration in erster Linie nichts zu tun haben, wie Geschäfte oder Cafes. Im Gegenteil, diese sind oft selbst mit Überwachungskameras ausgestattet, die nahtlos in den öffentlichen Raum übergreifen. Wir bewegen uns permanent in der Schnittfläche zwischen öffentlich und privater Kontrolle. Noch besser wird es, wenn die Kameras schwenken können, also nich fix sind.

Winken als Geste der Unsicherheit

Steige ich dann vor den Toren meines Arbeitgebers aus, werde ich direkt von den nächsten Videokameras erfasst und auch hier aufgezeichnet, bis ich meinen Arbeitsplatz erreicht habe. Viele Firmen lassen ihre Parkplätze, Außenanlagen und auch ihre „Außenhaut“ überwachen. Da stehen kleine Gewerbebetriebe, KMUs und Weltunternehmen und übrigens auch öffentliche Gebäude in einer Reihe. Gelegentlich hilft ein Winken zum Aufnahmegerät, das merkwürdige menschliche Gefühl zu überbrücken, welches sich einstellt, wenn man sich ausmalt, visuell verfolgt zu werden. Damit ist faktisch aber auch ein erster Beweis erbracht: das eigene Verhalten ändert sich beim Wissen um Überwachung. Nur: Ist man sich dessen immer gleichbleibend bewusst?

Das Foto zeigt verschiedene Hinweisschilder auf Videoüberwachung.

Jede Minute im Blick: Videoüberwachung

Diese Form der Videobegleitung ist mittlerweile allumfassend. Sie ist übrigens auch umfassend, wenn man mit dem Auto durch eine Stadt fährt. Viele Straßenabschnitte und vor allem Kreuzungen sind mittlerweile überwacht.

Gesetzliche Regelung 

Dabei ist die Beobachtung öffentlich zugänglicher Räume mit elektronischen Einrichtungen gesetzlich geregelt. Etwa im § 6b im Bundesdatenschutzgesetz. Die Überwachung ist an drei Kriterien geknüpft: zur Aufgabenerfüllung öffentlicher Stellen, Wahrnehmung des Hausrechts, Wahrnehmung berechtigter Interessen für konkret festgelegte Zwecke. Da steht auch „auf die Überwachung ist hinzuweisen und die verantwortliche Stelle ist zu benennen“. An dem Punkt allerdings stellt sich eine Fehlanzeige ein – oder maximal noch Kleingedrucktes an versteckter Stelle.

Schon Bestandteil von Krimis

Und auch kaum ein Geschäft oder eine Einrichtung kommt mehr ohne sie aus. Selbst Hauseingänge werden videoüberwacht, nicht nur in den „gehobeneren Quartieren“, sondern auch in normalem Wohnumfeld von gemischten Stadtvierteln. Wer Krimis schaut (und davon gibt es in den öffentlich-rechtlichen Programmen eine Über-Produktion am laufenden Band) kennt das: die Ermittler fragen schon standardmäßig danach „wo ist die nächste Überwachungskamera, und ist da was drauf, das uns interessieren könnte?“

Fehlende Öffentlichkeit

Aus Sicherheitsaspekten heraus mag das alles plausibel sein, ein unpräzises Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Nur: wo ist die Grenze? Wo findet eine öffentliche Diskussion statt, abgesehen vielleicht von großen Städten, in denen das eher Thema ist als in kleineren Kommunen? In welchem Rat ist der Datenschutz seiner Einwohner ein Thema, das in den öffentlichen Diskurs gelangt wäre oder gar Gegenstand des Aushandelns zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern?

Insbesondere für die Kommunen ist diese Frage nicht unerheblich. Sie nutzen Videoüberwachung bereits sehr flächig dazu, den Verkehrsraum oder auch öffentliche Plätze zu überwachen. Der öffentliche Raum ist keine freiheitliche Zone mehr. Diese Kameras sind teilweise sogar auch im Netz zu finden und tragen dort die harmlosen Namen wie „Panoramakamera“ oder „Livecam“. Wer von ihren Daten profitiert und in welcher Form, findet sich nicht.

Sparsamer Umgang mit Daten?

Und vor allem auch Schulen. Kinder und Jugendliche wachsen mit dieser neuen Kulturtechnik der Überwachung auf – gerne werfen ihr aber Pädagogen und die Erwachsenenwelt einen sorglosen Umgang mit eigenen Daten vor. Ein permanentes Umgebensein mit Kameras aber, das macht auf die Dauer richtig unfrei.

Vielen Bürgern ist diese Permanenz nicht bewusst. Und auch nicht die Konsequenzen, die damit verbunden sind. Ein sparsamer Umgang mit Daten kann also keine Herausforderung sein, um nur globalen Playern auf die Finger zu schauen. Datenlese beginnt direkt vor der Haustür. Datenlese ist auch eine politische Frage vor Ort. Die Piratenfraktion im Landtag NRW hatte diesbezüglich eine Anfrage gestellt, wo sich die Überwachung im öffentlichen Raum findet.

„Einführung einer gesetzlichen Meldepflicht und eines transparenten Registers für von öffentlichen Stellen betriebene Videokameras; Verantwortung bei einer unabhängigen öffentlichen Behörde wie dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit; Schaffung von Ressourcen und Rechtsvorschriften; Einbringung einer Initiative in den Bundesrat für eine Meldepflicht für Kameras von privaten oder öffentlichen Stellen“

Vor zwei Jahren hatte ich bereits in meiner Stadt dazu Anfragen gestellt: wie viele Kameras gibt es und wer sammelt die Daten und wer wertet die aus? Die Antworten darauf waren eher mau und wenig verbindlich, geschweige denn zufriedenstellend. An der Praxis der Aufzeichnung hat sich bis heute nichts geändert. Auch der politische Raum hält Funkstille darüber.

Was, wenn es vernetzt wird?

Wir brauchen einen kommunalen Diskurs darüber, wie man damit auch vor Ort umgeht. Wir brauchen ein öffentliches Register, wo Videoüberwachung stattfindet. Ist es legitim, wenn Privatleute die Außenhaut ihrer Geschäfte und Häuser überwachen, die Streuung aber auch oftmals den öffentlichen Raum umfasst? Muss man das anmelden, und wenn ja, wo? Wer erteilt die Erlaubnis zu welchen Kriterien? Es braucht ein Bewusstsein darüber, was diese Daten zu leisten vermögen.

Noch sprechen wir sicher von Einzelaufnahmen. Was aber passiert, wenn die Kameras vernetzt arbeiten? Was passiert, wenn sie mit Gesichtserkennung und weiterer Software ausgerüstet ist, die lernt, die verknüpft und interdisziplinär mit anderen Daten von uns arbeiten kann?

Der Umkehrschluss ist zudem: hilfreiche, öffentliche Daten sind nicht oder nur auf Drängen der Allgemeinheit zugänglich. Diese Diskrepanz ist kaum zu erklären: Datensammeln erlaubt, Dateneinsicht und Transparenz für OpenData aber sind Güter mit Zugangsbeschränkung? Diese Frage wäre schön zu diskutieren. Etwa mit einem kommunale Datenschutzbeauftragten, etwa über einen kommunalen Datenreport.

Wer fehlt auf dem Treppchen?

In diesen Tagen gibt es sie wieder in Serie: die Fotos der Schul-Absolventen aus den unterschiedlichen Schulformen. Besonders hervorgehoben werden diejenigen mit einer besonderen Glanznote, der eins vor dem Komma. Aber es gibt auch Bildungsverlierer – die kommen nicht aufs Treppchen. Wo sind die Zahlen dazu? Das frage ich mich zeitnah auch vor der Ausgabe der Zeugnisse am kommenden Freitag!

Schüler bei Abschlussfeier

Schön, dass die meisten Jugendlichen an Gütersloher Schulen einen Abschluss geschafft haben.  Die jeweilige Schulgemeinde, die lehrenden Trainer, aber auch die Schulverwaltung freuen sich zu Recht in zahlreichen Abschlussfeiern über die Leistungsschau.

Erstaunlicher Trend: Viele weisen eine eins vor dem Komma auf. Gut so, aber es wirkt fast inflationär, wie viele auf dem Einser-Podium gelandet sind. Zählt nur noch das?

Es gibt aber auch Verlierer: Schüler ohne Hauptschulabschluss, Schüler nur mit einem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, Schüler, die keine Lehrstelle bekommen, weil sie nur einen schwachen Hauptschulabschluss nach Klasse 10 vorweisen können, Haupt- und Förderschüler, die ihren Wunschberuf nicht erlernen können, weil die  Ausbildungsbetriebe Schüler mit mittleren und höheren Abschlüssen bevorzugen, Schüler, die jahrelang in den sogenannten „Warteschleifen“ an den Berufsschulen verbringen müssen.

Warteschleifen gibt es übrigens auch für Gymnasialschüler, die ohne eine Eins vor dem Komma in die Fänge des Numerus Clausus geraten und deshalb ein soziales Jahr, ein Praktikum, einen Job im In- oder Ausland annehmen müssen. Auf den Wartelisten landen und Wartesemester sammeln. 

Um neben den Siegeshymnen die tatsächliche Situation an Gütersloher Schulen zu beleuchten, wären auch die Schulwechsler-Zahlen, die Wiederholerquoten, Daten, die die Prognosen am Ende des 4. Schuljahrs im Verhältnis zum erreichten Abschluss aufzeigen und die Chancengerechtigkeit von Migranten und Kindern aus bildungsfernen Schichten vonnöten. Sie liegen vor, werden aber nicht genutzt. Und nicht jedes Kind, das auf ein Gymnasium geht, erreicht das Abitur, wann und wo gehen diese verloren?

Als Rektor einer Schule, als Schulverwaltungsbeamter und als Schulpolitiker sind jedoch genau diese Zahlen von großer Wichtigkeit, sie zeigen den Istzustand ungeschönt und eröffnen eine Handlungsperspektive.

Ob der Schulentwicklungsplan, der zur Zeit aufgestellt wird, solche Daten enthalten wird, ist fraglich – bleibt abzuwarten. Was nicht abzuwarten ist: die, die nicht auf dem Treppchen gelandet sind, dürfen nicht vergessen werden. Am Ende zählt nicht die eins vor dem Komma. Es zählt die Haltung. Es zählt der Mut der jungen Menschen ins Leben zu gehen und in Zeiten einen Platz zu finden, die sich langsam von der Komfortzone verabschieden. 

Digitale Wirtschaftsförderung gestalten

// Veränderung schon jetzt 

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft radikal – nicht erst morgen, sondern heute schon: Daten sind die neue Währung, die sozialen Interaktionen in den neuen Kommunikationskanälen sind der Rohstoff für Wertschöpfung.

Die Mechanismen von „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ wirken grundlegend anders als bisherige Geschäftsmodelle. Digitales Wirtschaften ist in der Lage, ganze Industrien alter Erfolge von heute auf morgen hinter sich zu lassen.

Das Foto zeigt mehrere Smartphones in einer Reihe.

Diese Entwicklung und auch damit verbundene neue Formen der Arbeit 4.0 stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Auch Gütersloh. Hier gilt es, die kommunale Wirtschaftsförderung digitalfähig aufzustellen.

// Kommunale Aufgabe

Die Wirtschaftsförderung ist eine kommunale Aufgabe. Digitale Wirtschaftsförderung bedeutet Netzwerkarbeit – dies in virtuellen und realen Netzwerken. Dabei ändert sich die Relation zu den Unternehmen, die ihrerseits virtueller werden. Es ändert sich auch die Beziehung zu Kunden, die nicht nur Konsumenten, sondern zunehmend Produzenten sind. Firmen entstehen, die sich teilweise nur noch im Netz abspielen. Sie brauchen keine Werkhallen nach altem Verständnis oder riesige Gewerbeflächen mehr. Sie wirken im Netz, sie nutzen statt dessen Kreativität und Wandlungsfähigkeit der Mitarbeiter. Mit einem Mausklick sind sie online oder bereits an einem anderen Ort aktiv. Darauf muss sich die Stadt Gütersloh künftig noch stärker einstellen. Eine klassische raumbezogene Wirtschaftsordnung ist damit künftig wirkungslos. Es braucht andere Kriterien wie etwa optimale Rahmenbedingungen in Form von guter Bildung, Netzwerkmöglichkeiten, schnelles Netz, Rückkopplung an Wissenscluster. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Technologienetzwerk IT´s OWL. Die Stadt Gütersloh muss virtuelle kommunale Orte schaffen, wichtiges Modul hierbei ist u.a. die Bildung und Qualifizierung der jungen Menschen vor Ort.

// Kompetenz aufbauen

Diese Kompetenzen müssen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik in Gütersloh jetzt ausbauen. Es ist eine hohes Maß an Medien- und an Netzwerkkompetenz gefragt. Das bedeutet Neuland für eine Verwaltung sowie einen Mentalitätswandel weg vom Behördendenken hin zum Agieren als Partner auf Augenhöhe.

Für die zukünftige Finanzkraft durch Gewerbesteuereinnahmen wird dieser Wandel eine zentrale Rolle spielen. Die Stadt muss in mobile und vernetzte Kommunikation investieren.

// Verwaltung 4.0  bis 2020 ?

Das jedoch geht nur, wenn auch die Verwaltung zu einer modernen Verwaltung wird, nur so kann sie den Rahmenbedingungen und Bedarfen einer zunehmend veränderten Umwelt gerecht werden. Gütersloh muss im Können und im Handeln digitaler werden. Das Ziel ist eine Verwaltung 4.0 bereits 2020, das schließt eine digitalfähige Wirtschaftsförderung mit ein.

Foto: ak2012

Die Langversion findet sich auf Blickpunkt aus Gütersloh.